Taunus | |||||
Im sprichwörtlich wilden Taunus bietet sich eine unübersehbare Vielzahl von Wandermöglichkeiten. Aber irgendwo muss man ja nun mal anfangen, daher habe ich mich dem Rheingau gewidmet und hier das Gebiet um die Hauser Höhe gewählt. INHALT
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I. AUSGANGSPUNKT HAUSER HÖHEDas Örtchen Hausen vor der Höhe der Gemeinde Schlangenbad mit seinen ca. 850 Einwohnern liegt knapp 500 m über NN. Kurz vor dem südlichen Ortseingang liegt der Wanderparkplatz Hauser Höhe, der meiner Meinung nach für Naturinteressierte ein guter Ausgangspunkt für lange Wanderungen ist. Entlang der L 3035, die von Kiedrich hoch nach Hausen v. d. H. führt, befinden sich aber natürlich noch weitere Wanderparkplätze, wie überhaupt in der gesamten Region. Da es hier sehr ausgedehnte Wälder gibt, ist die Wanderkarte in drei Teilen erhältlich, da andernfalls der Maßstab 1:25000 nicht machbar wäre. Für das hier behandelte Teilgebiet braucht man die (Topographische Sonder-) Karte "Rheingau". Die beiden anderen Karten heißen "Wiesbaden und Umgebung" und "Hochtaunus" und bilden jeweils den nordöstlichen Anschluss. Wer den Proviant noch vervollständigen muss, bekommt in Hausen vor der Höhe seine letzte Chance. Dort gibt es einen kleinen Edeka-Markt, kurz vorm Ortsausgang in der Taunusstrasse, das ist die L 3037 Richtung Schlangenbad, mit folgenden Öffnungszeiten: Mo. - Fr. 8.00 - 13.00 Uhr, Mo., Di., Do., Fr. 15.00 - 18.00 Uhr, Sa. 7.30 - 12.30 Uhr. (Auf der Karte ist der mitten im Wald in luftigen 580m Höhe gelegene Aussichtspunkt "Hallgarter Zange" und ebendort ein Ausflugslokal eingezeichnet, was zu der Annahme verleitet, man bekäme dort Verpflegung. Das Lokal ist jedoch bis auf weiteres geschlossen. Näheres dazu unten, Hallgarter Zange) Hausen v.d.H. mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen zu wollen, ist so eine Sache. Der Busfahrplan hat sowieso großzügige Lücken, und sonntags ist man fast ganz verloren. Soll schon die Anfahrt per ÖPNV erfolgen, wählt man besser einen anderen Ausgangspunkt. Aber auch die beliebte Methode, anstelle einer Rundwanderung einen Zielpunkt anzusteuern, von dem aus man mit Bus oder Bahn zurück zum Auto fährt, kann man hier in den meisten Fällen komplett vergessen. Wer es trotzdem versuchen will, der sollte sich vorher sehr eingehend über die Fahrpläne informieren. Ich würde mir für alle Fälle genug Geld fürs Taxi einstecken. Am Ausgangspunkt Hauser Höhe bekommt man dann ein Kontrastprogramm geboten: Entweder man bleibt auf - meist - gut gepflegten, in jedem Fall aber gut beschilderten Rundwegen, oder man stürzt sich in das Abenteuer Hinterlandswald.
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II. ALLGEMEINES ZUM WANDERGEBIETa) FloraDas Erscheinungsbild des Waldes ist geprägt von der üblichen Mischung aus Nadel- und Laubbäumen, die hier mehr, dort weniger bunt durcheinander wachsen, gelegentlich aber auch in strengen Monokulturen daherkommen. In letzteren kann man sich mitunter des Eindrucks, in einer begehbaren Holzproduktionsanlage herumzulaufen, nicht vollständig erwehren. Auffällig ist die Vielfalt der Baumarten, da sieht man erst, was in anderen Wäldern alles fehlt. Der "Pflegezustand" ist im Rundwegegebiet und dem Hinterlandswald sehr unterschiedlich, dazu unten mehr. Mit dem Abholzen hält man sich jedenfalls in beiden ganz schön ran; um in den Himmel zu wachsen, bleibt den Bäumen gar nicht genug Zeit.
b) FaunaWas die Tierwelt angeht, so sieht man zumindest im Hinterlandswald welche, die einem anderswo nicht unbedingt über den Weg laufen, wie z.B. Wildschweine, Füchse, ungewöhnliche Käfer oder Schmetterlinge, Schlangen (nicht gerade klein, und deshalb ja wohl hoffentlich nicht giftig) und Raubvögel.
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c) Sehenswürdigkeiten, die Wünsche offen lassen
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d) TippsBevor man sich auf eine Wanderung begibt, egal, ob auf den Rundwegen oder im Hinterlandswald, sollte man folgenden Aspekten kurze Beachtung schenken. (Ich gehe dabei immer von einer ca. 10 - 12-stündigen Tageswanderung aus. Wenn man nur kürzer geht, sind manche Punkte natürlich nicht so wichtig.)
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III. RUNDWEGEIn einem Radius von einigen Kilometern um den Ausgangspunkt Hauser Höhe herum sind die Rundwege in vorbildlicher Weise beschildert. Das ist umso bemerkenswerter, als man hier insgesamt nicht gerade kundenfreundlich zu sein scheint. Die Wege sind mit Symbolen gekennzeichnet, wie z.B. Pilze, Häschen, Wildschwein u.ä. Leider befindet sich aber am Parkplatz keine Karte, auf der man vorher nachschauen könnte, wie die einzelnen Rundwege verlaufen, eine eigene Karte anzuschaffen ist also doch ganz sinnvoll. Die Grenze zum Hinterlandswald ist randscharf und immer da, wo an einer Kreuzung ein abzweigender Weg nicht beschildert ist. Im Rundwegegebiet gibt es eine Reihe von markanten Punkten, von denen ich einige vorstellen will: a) Kloster EberbachEin wunderschönes Ausflugsziel, ja geradezu ein Muss ist das (ehemalige) Zisterzienser-Kloster Eberbach in der Nähe von Kiedrich, das man von der Lage her gut mit einer Wanderung verbinden kann. Information zu Entstehung und Geschichte des Klosters bietet die Chronik des Klosters Eberbach. Da schon lange keine Mönche mehr in dem Kloster leben, kommt man nicht gleich in die Hölle, wenn man in normaler Freizeitkleidung reingeht. Ich weise aber vorsorglich darauf hin, dass die große Mehrheit der Besucher sehr korrekt gekleidet ist, und man im robusten Outdoor-Look etwas aus dem Rahmen fällt. Übrigens war Eberbach auch Drehort für den Film "Der Name der Rose", es wurden fast alle Innen-Aufnahmen hier gedreht. Aber ganz ehrlich: Selbst der größte Fan dieses Films hätte das nicht gemerkt. Weil fast das gesamte Interieur im 19. Jh. von den Preußen weggeschleppt wurde, findet man oft leere Räume, so dass die Teilnahme an einer Führung bzw. eine Audio-Führung zu empfehlen ist, wenn man etwas über das Kloster erfahren will. Es gibt im Kassenbereich auch einen kleinen Kloster-Shop, wo man z.B. Räucherkohle und Weihrauch recht günstig erwerben kann, aber natürlich auch CDs mit geistlicher Musik, erbauliche und / oder informative Bücher, Honig, Wein, und - last but not least - die lebenswichtigen Postkarten! Der Wein muss übrigens sehr gut sein, urteilt man danach, in welchen Mengen die Leute ihn abtransportieren. Abgesehen von Kloster-Keksen bekommt man in diesem Shop aber weder Snacks noch alkoholfreie Getränke zum Mitnehmen. In der allerjüngsten Zeit, nämlich am Nachmittag des 25. April 2005, wurde das Kloster leider von einem Hochwasser heimgesucht, da der unterm Kloster hindurch fließende Kisselbach "hochgekommen" war. Die Bausubstanz wurde nach ersten Erkenntnissen wohl nicht beschädigt, bis aber alles wieder so schön ist wie vorher, wird es eine Weile dauern. Den aktuellen Sachstand kann man der Homepage des Klosters Eberbach entnehmen. b) Hallgarter ZangeDie Hallgarter Zange liegt 580m hoch und ist damit eigentlich ein super Aussichtspunkt. Ist auch als solcher auf der Karte verzeichnet. Das Dumme ist nur, dass man die gute Aussicht eigentlich nur von dem dortigen Ausflugslokal aus hat, alle anderen Perspektiven sind nämlich durch eben dieses Gebäude verbaut. Und das ist bis auf weiteres geschlossen. Wenn man auf den zahlreichen Schildern sieht, dass die Betreiber offenbar nicht mal den Namen des Ganzen mitgekriegt haben (es heißt HallgartER Zange, nicht HallgartENER), denkt man sich seinen Teil. Auch die Behauptung "580m über Normalität" zeugt von bedauerlichem Unverstand. "NN" heißt nicht Normalität, sondern Normalnull, das ist die Höhe des Meeresspiegels. Die Normalität an Aussichtspunkten mit Ausflugslokalen ist eigentlich, dass man in die Landschaft gucken und sich gastronomisch betreuen lassen kann. Da liegen sie an der Hallgarter Zange zur Zeit mindestens 580m drunter! (Hintergrund-Info: Hallgarter Zange - Unbekannter Käufer für prominente Immobilie, Wiesbadener Kurier vom 03.06.2005). c) Kalte HerbergeVon der Hallgarter Zange aus - oder von wo auch immer - können Interessierte einen kleinen Abstecher zur meteorologischen Mess-Station "Kalte Herberge" machen, die wir alle aus dem Wetterbericht kennen. Die Messeinrichtung ist zwar eingezäunt, und sachkundige und auskunftsfreudige Wetterfrösche gibt es da leider auch nicht. Trotzdem ist es interessant, mal einen Blick darauf zu werfen, wie Wetter gemacht wird. - Heißer Tipp: Nur wenige Minuten von der Mess-Station entfernt befindet sich eine Schutzhütte, zu der vom "Wildschwein-Rundweg" ein kleiner Trampelpfad führt. Und, voila: Da ist er, der Ausblick ins Tal. Live und in Farbe, unverbaut und gratis, 570m über Normalnull. d) Gebück / Mapper Schanze"Gebück" ist ein Begriff, der einem in dieser Gegend immer wieder begegnet. Ihn mit "Bücken" zu assoziieren, ist gar nicht so abwegig, nur waren es weniger die Leute, als die Bäume, die sich bückten. Da es im Mittelalter bekanntlich nicht sehr friedlich zuging, waren die Bewohner dieser Region auf die Idee gekommen, zum Schutz vor Invasionen ein bis zu 50m breites Band von Buchen und Hainbuchen zu pflanzen, ab einer gewissen Höhe die Bäume zu beugen (=bücken) und die Zweige miteinander zu verflechten. So entstand im Laufe des weiteren Wachstums ein undurchdringliches Bio-Bollwerk. Heutzutage ist aber nur noch ganz vereinzelt Gebück anzutreffen. Direkt neben der Mapper Schanze ist aber z.B. ein schmaler Streifen zu besichtigen. Übrigens ist man hier auch wesentlich spendabler mit Informationstafeln, die den Wanderer zum Thema Gebück schlau machen und auch den Sinn der Mapper Schanze erläutern, von der heute aber nur noch ein Rudiment vorhanden ist. Ich will nicht schon wieder rumunken, weise aber darauf hin, dass man nur mit einem milden "Aha-Effekt" rechnen darf (wobei mir persönlich das Gebück immer noch spannender vorkam als die alten Steine). e) Mapper HofNur wenige Gehminuten von der Mapper Schanze entfernt liegt der Mapper Hof. Er ging wohl ursprünglich auf die Ansiedlung eines frommen Einsiedlers zurück. Der Hof, der in der Folgezeit an dieser Stelle entstand, war im Mittelalter dem Kloster Eberbach unterstellt, und hatte dieses mit Naturalien zu beliefern. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verkaufte das Kloster den Hof an die Herren von Greiffenklau. In der Folgezeit wechselte er noch häufig den Besitzer, heute befindet sich dort eine Pferdezucht. Am Wegesrand des "Gebück-Wanderweges" gibt es auf Höhe des Mapper Hofes eine ganz wunderhübsche kleine Kapelle, die aus unerfindlichen Gründen nicht auf der Karte verzeichnet, meiner Meinung nach aber einen Besuch wert ist. In der unmittelbaren Nähe befinden sich zwei Sitzgelegenheiten, eine davon mit Tisch, die diesen Platz zu einem idealen Ruheort machen.
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IV. HINTERLANDSWALDNomen est Omen ... Man kann dort vorzüglich studieren, wie ein Wald aussieht, wenn man ihn einfach machen lässt. Totholz wird hier konsequent liegen gelassen, so dass umgestürzte Bäume gelegentlich quer über dem Weg liegen, bzw. bedenklich an den Hängen hängen und/oder zwischen den anderen Bäumen balancieren. Die Wege sind oft ungepflegt, manche sogar völlig verwahrlost - wobei ein Weg in seinem Verlauf sämtliche Zustände von "gut in Schuss" bis "unbegehbar" aufweisen kann. Da der Karte nicht im vorhinein der Zustand der Wege zu entnehmen ist, sind Wanderstiefel Pflicht. (Man achte übrigens auch auf die Feinheiten: Manche Wege enden im Nichts.) Auch der Wanderstock sollte dabei sein, hier braucht man den wirklich. Abseits der Wege die Hänge hinauf zu kraxeln, ist erstens unter Naturschutzaspekten unerwünscht, und wer es trotzdem machen will, wird zweitens feststellen, dass er auf dem weichen Boden keinen Halt findet, nicht selten sogar tief darin einsinkt. Schutzhütten findet man im Hinterlandswald nicht viele, Bänke auch nicht. Aufgestapelte Baumstämme schon öfter, aber sie sind nicht immer ein guter Ruheplatz, ich habe schon Stapel gesehen, die offenbar nicht sorgfältig genug aufgeschichtet und deshalb den Hang hinabgestürzt waren. Es ist also nicht übertrieben, sich z.B. eine dünne Isomatte als Sitzunterlage mitzunehmen, um sich einen Ruheplatz frei wählen zu können. Über ein Extra-Tütchen für Müll kann man auch nachdenken, denn Mülleimer gibt es natürlich erst recht nicht! Ach ja: Dass man hier keine Wegweiser oder gar Schaukästen mit Umgebungskarten erwarten darf, ist nach allem bisher Gesagten wohl logisch. Karte und Kompass sind also ein Muss. Was ein richtiger Freak ist, der nimmt auch noch den Höhenmesser mit, auch wenn das für die hier anzutreffenden Höhenunterschiede etwas oversized ist. Sehenswürdigkeiten habe ich im Hinterlandswald bisher nicht gefunden, was den Wald so besonders macht, ist seine schiere Größe. Wer öfter hier wandert, merkt schnell, dass es Bereiche mit eigener Charakteristik gibt - hier großzügige Wiesen, dort reiner Buchenwald, dann wieder felsiger Untergrund usw., was bei der Orientierung dann doch hilft. Bis man dieses Detailwissen erworben hat, wird man sich aber einige Male verlaufen haben. (Wenn gar nichts mehr geht: Bäche fließen immer nach unten, der Rhein ist immer im Süden und die L 3035 immer im Osten. Sie ohne es zu merken zu überqueren, ist praktisch unmöglich. In Zweifelsfällen: "L 3035" steht in regelmäßigen Abständen an einem Pfosten dran.)
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V. ZUSAMMENFASSUNG / FAZITWas den Reiz einer Wanderung hier ausmacht, ist die enorme Größe des Waldes. Im Hinterlandswald kann man laufen und laufen und laufen, ohne zwangsläufig wieder in der Zivilisation rauszukommen. Das beinhaltet aber auch etwas höhere Anforderungen an die Orientierungsfähigkeit. Die Rundwege sind, wie gesagt, ganz hervorragend beschildert, ansonsten wirkt das Ganze jedoch seltsam halbherzig, auch wenn sich hier und da mal eine Sehenswürdigkeit mit oder ohne Info-Tafel findet, und es auch Schutzhütten und Bänke zum Pause machen gibt. Der Blick auf die Karte weckt aber meiner Meinung nach zu hohe Erwartungen, was für spannende Sachen es da zu sehen gibt, und vor Ort ist man dann nicht selten enttäuscht. Wer einen schönen langen Spaziergang - Betonung auf "schön" - mit anschließender Einkehrmöglichkeit wünscht, sollte vielleicht lieber einen anderen Ausgangspunkt wählen, z.B. das Kloster Eberbach. Sehr geeignet ist der Wald aber neben den Naturinteressierten auch für Leute, die sich auf Größeres vorbereiten wollen: Die Höhenunterschiede sind hier immerhin groß genug, um einen Höhenmesser einsetzen zu können, ohne ihn jedoch wirklich zum Überleben zu brauchen. Den Umgang mit Karte und Kompass sollte man schon beherrschen, kann seine Fähigkeiten aber hier perfektionieren. Wer aus irgendwelchen Gründen mit erträglichen Höhenunterschieden kämpfen möchte, z.B. weil ein Wanderurlaub in den Bergen geplant ist, oder um einfach so was für die Kondition zu tun, ist hier auch richtig.
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(Stand: Frühsommer 2005) | |||||
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Stichworte zum Inhalt: Gebück, Hallgarter Zange, Hausen vor der Höhe, Hessen, Hinterlandswald, Kalte Herberge, Kloster Eberbach, Mapper Schanze, Rheingau, Rheingau-Taunus, Schlangenbad, Taunus. | |||||