Der Kottenforst bei Bonn | ||||||
Die Reihe meiner Berichte über regionale Naherholungsgebiete beginnt mit dem Kottenforst bei Bonn. Gemeint ist hier das Teilstück, das von den Bonner Stadtteilen Röttgen, Bad Godesberg (Schweinheim) sowie der L 158 und der A 565 eingerahmt wird. Folgende Punkte sind meiner Meinung nach der näheren Betrachtung wert: | ||||||
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BeschreibungDer Kottenforst blickt auf eine mehr als 1000jährige Geschichte zurück, in deren Verlauf er mehrere Male fast zerstört worden wäre. Heute findet der Wanderer ein mit Liebe und Sorgfalt gepflegtes Naherholungsgebiet vor, in dem es immer Neues zu entdecken gibt, egal wie oft man schon da war. Zur Freude der Wanderer hält sich das Forstamt mit dem Holzfällen zurück, wodurch viele schöne alte Bäume erhalten bleiben. Dankenswerterweise hat man auch von planerischen Sünden abgesehen, wie zum Beispiel der allzu konsequenten Möblierung des Waldes mit Bänken und Hütten, oder den andernorts üblichen, mit militärischer Strenge gepflanzten Monokulturen. Statt dessen ist der Kottenforst ein hübsches Durcheinander von Laub- und Nadelwald sowie teilweise recht dichtem Unterholz, und unter solch glücklichen Bedingungen präsentiert sich dann auch die Tierwelt in ungewohnter Vielfalt. Hier und dort gibt es Naturdenkmäler zu bestaunen, über deren Alter der Laie nur noch spekulieren kann. | ||||||
Dem Kottenforst wird mitunter auch nachgesagt, er sei langweilig. Der Grund dafür ist, dass manche Wege wie mit dem Lineal gezogen wirken, und manche sind auch noch asphaltiert - spätestens das gibt dem Naturfreund natürlich den Rest. Es ist auch nicht gänzlich vermeidbar, diese Wege zu benutzen, allerdings hindert einen niemand daran, sie an der nächstbesten Abzweigung zu verlassen. Wer trotzdem darauf bleibt, kommt halt irgendwann am anderen Ende des Waldes wieder raus, das ist dann aber der Lohn der Sturheit. (Nur am Rande sei erwähnt, dass man diese Wege schon deshalb meiden sollte, weil sie bei Inline-Skatern und Radfahrern sehr beliebt sind. Denjenigen, die gegenüber Fußgängern und ihren Tieren - ja, auch Hunde können alt und fast blind sein - die gebotene Rücksicht walten lassen, will ich nichts Schlechtes nachsagen. Nicht wenige bahnen sich jedoch mit unglaublicher Rücksichtslosigkeit ihren Weg durch die Fußgänger.) | ||||||
Die WaldauFür diejenigen, die mit dem Auto kommen, bilden die Parkplätze die Ausgangspunkte ihrer Streifzüge. Besonders erwähnenswert ist hier der Startpunkt "An der Waldau". Hier finden sich außer einem Parkplatz und einer Bushaltestelle auch ein Kinderspielplatz, ein Restaurant, eine Imbissbude, das "Haus der Natur" und ein Wildgehege, und last but not least die schaurig-schönen Kopfbuchen (Gespensterbuchen). Natürlich geht es dadurch an der Waldau auch besonders lebhaft zu, aber wenn man will, erreicht man schon nach kurzem Fußweg ruhigeres Terrain. | ||||||
RestaurantDas Restaurant "Waldau" bietet Speisen und Getränke auf gehobenem Niveau. Da sich in der Nähe auch eine Seniorenresidenz befindet, wird es gern für Familienfeste und generell für standesgemäßes Tafeln mit den älteren Mitgliedern der Familie genutzt. Näheres unter www.waldau.de. Achtung: Wer im zünftigen Outdoor-Look da rein stiefelt, wird sich eventuell deplaziert fühlen. | ||||||
ImbissbudeNur einige Meter von dem Restaurant entfernt steht eine Imbissbude, und dort ist die Etikette nicht so streng. Im Gegenteil, dort geht es wiederum so locker zu, dass sogenannte "Rheinische Öffnungszeiten" gelten. Übersetzung für Nicht-Rheinländer: Der Betreiber macht die Bude auf, wenn's ihm gerade passt. Also bei schönem Wetter, und was schön ist, entscheidet er ganz allein! | ||||||
Haus der Natur (Waldinformationszentrum)Eine kleine Perle findet sich direkt neben dem Restaurant: Das Haus der Natur oder Waldinformationszentrum. In einer sorgsam angelegten kleinen Ausstellung kann man sich anhand von Ausstellungsstücken und Nachschlagewerken über Flora und Fauna des Kottenforstes informieren, und es gibt live und in Farbe ein lebendes Bienenvolk im Miniaturformat zu bestaunen. Zu den ausgestopften Tieren ist übrigens anzumerken, dass diese nicht zum Zwecke des Ausstopfens getötet wurden, sondern Krankheiten oder Unfällen zum Opfer fielen. | ||||||
WildgehegeNur wenige Fußminuten vom Haus der Natur befindet sich ein Wildgehege mit Wildschweinen sowie Dam- und Rotwild. Wer sich fragt, warum ausgerechnet Rehwild fehlt, der geht bitte zurück ins Haus der Natur und schaut im Antworten-Buch nach. | ||||||
Kopfbuchen (Gespensterbuchen)Eine echte Sehenswürdigkeit sind die Kopfbuchen, die von der Waldau aus ebenfalls in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar sind. Dass diese Buchen so aussehen, wie sie aussehen, hat einen unnatürlichen Grund: In früheren Zeiten trieb man Schweine in den Wald, um sie mit dem dortigen Nahrungsangebot zu mästen. Wo ein Baum auf herkömmliche Art gefällt wurde, konnte somit aber keiner mehr nachwachsen, weil die Schweine alles, auch Baumschösslinge, auffraßen. Man half sich, indem man die Bäume nicht ganz fällte, sondern in ca. zwei Metern Höhe abschnitt. Aus diesem Stumpf trieb der Baum dann neu aus, bloß sah das ein bisschen anders aus als vorher ... Das Ergebnis dieser Prozedur war eine bizarre Gestalt des Baumes (die im Laufe der Zeit umso komischer wird, je höher er wächst), und das hat den Bäumen den Beinamen "Gespensterbuchen" eingebracht. | ||||||
HistorischesDie heutige Erscheinungsform des Kottenforstes wurde entscheidend geprägt von Kurfürst Clemens August (1700 - 1761, Kurfürst von Köln von 1723 bis 1761). Clemens August war ein großer Jagdliebhaber, der insbesondere der Parforce-Jagd frönte - eine Jagdform, die heute aus ethischen Gründen verboten ist. Sie bestand darin, dass - laienhaft ausgedrückt - Reiter und Fußvolk mit Hunden einem Wild so lange hinterher hetzten, bis dieses mitunter einfach tot umfiel, oder man anderweitig seiner habhaft wurde. Um so jagen zu können, brauchte man breite gerade Wege, und nun wissen wir auch, wie die oben angedeutete Monotonie mancher Wege zustande gekommen ist. Diese wurden nämlich ursprünglich dafür angelegt, dass man bei der Parforce-Jagd mit Höchstgeschwindigkeit dem Wild nachpreschen konnte. | ||||||
LiteraturÜber den Kottenforst gibt es ein hübsch aufgemachtes und informatives Buch mit dem völlig überraschenden Titel "Der Kottenforst - Eine rheinische Kultur- und Erholungslandschaft".
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(Stand: Herbst 2004) | ||||||
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Stichworte zum Inhalt: Bonn, Bonner Stadtwald, Forstamt, Gespensterbuche, Haus der Natur, Kopfbuche, Kottenforst, Kottenforst-Ville, Naherholungsgebiet, Naturdenkmal, Naturschutzgebiet, Parforce-Jagd, Wald, Waldau, Wanderer, Wanderkarte, Wanderung, Wanderweg, Wildgehege. | ||||||