Der Naturpark Maas-Schwalm-Nette liegt im deutsch-holländischen Grenzgebiet und erstreckt sich dies- und jenseits der Grenze. Er umfasst ein recht großes Gebiet, ist aber immer wieder von Zivilisation unterbrochen. Vom Ausgangspunkt "Weißer Stein" im Umkreis der Stadt Brüggen aus gelangt man direkt in das Teilgebiet Brachter Wald, der wiederum den Diergardtschen und den Brüggener Wald umfasst. In der Praxis spielt diese Unterteilung aber keine Rolle. Westlich bildet die holländische Grenze in etwa den Abschluss des Brachter Waldes. Rund um den Wald herum befindet sich eine Reihe von Zugangspunkten, dazu unten mehr. Der Zugangspunkt "Weißer Stein" ist ab der Bundesstraße 221 einigermaßen gut beschildert. (Die Schilder sind nicht sehr auffällig, spätestens wenn man dran vorbei fährt, sieht man sie aber ...) Auch ein Café und Restaurant befindet sich hier. | |
BeschreibungUm zu verstehen, was einem hier geboten wird, muss man die Vorgeschichte kennen. In dem heutigen Naturschutzgebiet Brachter Wald befand sich bis 1996 ein Munitionsdepot der Britischen Rheinarmee; das Ganze war nach außen streng abgeriegelt. Spuren der militärischen Nutzung begegnen einem noch heute auf Schritt und Tritt: Zäune, Überreste von Bahngleisen, Schutzwälle, zwischen denen früher die Munition gelagert wurde, asphaltierte Straßen, das ehemalige Sprenggebiet ("Demolition Area"), Löschwasser-Reservoires usf., vgl. Bildergalerie. (Die Bilder sind wirklich alle im Brachter Wald aufgenommen, auch wenn sie eine etwas andere Wirklichkeit zeigen, als die beschönigenden Werbebildchen!) Viele Bäume sind ganz gewiss vor 1996 gewachsen, aber man sieht auch sehr junge Bestände, die den Schluss nahelegen, dass sie erst nach dem Wegzug der Briten angelegt wurden. Erwähnenswert sind auch die auf den ehemaligen Schutzwällen außerordentlich zahlreich vorhandenen Ginster-Büsche, die zwar schön gelb blühen, aber bekanntlich Unmengen von Zecken beherbergen. Ein sehr großer Bereich des Brachter Waldes – genau genommen fast alles – ist im übrigen durch Schranken und Schilder mit der Aufschrift "diese Waldfläche ist mit Genehmigung der Forstbehörde vorübergehend von ..... bis ..... gesperrt" abgeriegelt. Man wundert sich wirklich, wenn man mal auf einen nicht gesperrten Seitenweg stößt. Nun mag man hinsichtlich der Länge, bis zu der eine Zeitspanne noch zutreffend als "vorübergehend" bezeichnet werden kann, unterschiedlicher Auffassung sein. Auf den Schildern ist aber an den für Anfangs- und Endzeitpunkt vorgesehenen Stellen überhaupt nichts eingetragen, und bei meinem letzten Besuch vor gut einem Jahr sah es im übrigen schon genauso aus – ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt. Solange also dieser vorübergehende Zustand andauert, braucht man jedenfalls keine Karte, denn aus den wenigen freigegebenen Wegen ergibt sich mit einer gewissen Zwangsläufigkeit ein Rundgang, und an den Knotenpunkten findet man gute Wegweiser. Man muss sich nur merken, wie der Zugangspunkt heißt, von dem aus man losgeht, dann dürfte es keine Probleme geben, und auf den Info-Tafeln an den Zugangspunkten sind die Rundwege sogar mit Längenangabe dargestellt. "Zugangspunkt" ist hier übrigens in einem ausschließlichen Sinne zu verstehen, der gesamte Brachter Wald ist nämlich eingezäunt. Der Zaun ist über 2 m hoch und oben mit mehreren Reihen schräg nach außen stehenden Stacheldrahtes gesichert. Lediglich an den paar Zugangspunkten kommt man durch Drehkreuze rein. Diese sind aber groß genug, so dass auch das Fahrrad mit kann. Nicht selten steht man leider auch im Innern des Waldes nicht nur vor den "vorübergehenden" Absperrungen, sondern auch vor Zäunen, teils mit Stacheldraht, und fragt sich mit der Zeit immer ernstlicher, ob die einen hier für blöd verkaufen wollen. Bänke gibt es nur ganz wenige, Schutzhütten noch weniger, und noch weniger Papierkörbe. Letzteres verleitet manch einen dazu, seinen Müll in die Landschaft zu schmeißen. Dennoch ist, von gelegentlichen Ausnahmen abgesehen, insgesamt alles sehr sauber. Tiere sieht man hier nur äußerst selten, auf den ersten Blick wirkt es regelrecht ausgestorben. Auf den zweiten bemerkt man aber doch ab und zu welche: Mit etwas Glück Rehe (o.ä.), oder mal eine Feldgrille. Die sonst allgegenwärtigen Mistkäfer und Ameisen habe zumindest ich nicht entdecken können. Vögel scheint es viele zu geben, dem Gezwitscher nach zu urteilen, sehen tut man aber fast keine. Eine Besonderheit sind die frei laufenden Galloway-Rinder, die sich hier quasi im Staatsdienst der "Beweidung und Offenhaltung der Heidefläche" widmen, wie Hinweistafeln zu entnehmen ist. Eine schöne Aufgabe, wenn man ein Rind ist, da gibt's nix! Es wird aber empfohlen, einen Abstand von mindestens 25 m zu den Tieren einzuhalten, sie nicht zu füttern, und Hunde anzuleinen. |  |
Fazit / ResümeeEs wäre schon schön, wenn man auf die o.g. Besonderheiten vorher hingewiesen würde. Stattdessen wird der Eindruck erweckt, es handle sich um ein Wander- und Naherholungsgebiet im herkömmlichen Sinne: http://www.nrw-stiftung.de/projekte/projekt.php?id=17&pl=projekte. Von der dort erwähnten Artenvielfalt der Tiere habe ich so gut wie nichts gesehen, ganz im Gegenteil (womit ich nicht anzweifeln will, dass sie existieren – nur sieht man sie halt nicht, selbst wenn man der einzige Mensch weit und breit ist). Und auch dass die exzessiven Absperrungen dem Schutz der Natur dienen, wie behauptet wird, soll von mir aus glauben, wer will. Ich für meinen Teil habe jedenfalls einen derart rigorosen Naturschutz noch nie gesehen. Aber wie auch immer, der Brachter Wald ist meiner Meinung nach bestimmt einen Besuch wert, wenn auch mit gewissen Einschränkungen. Für Radfahrer ist dies ein ideales Gebiet, das sie auch dankbar nutzen. Als einer der ganz wenigen Wanderer kommt man sich hingegen unter den vielen Radfahrern komisch vor, auch wenn diese stets freundlich und rücksichtsvoll sind. Wählt man für seinen Streifzug jedoch einen Tag, an dem nicht viel, oder noch besser gar nichts los ist, und geht am besten auch noch alleine, entfaltet die Landschaft überraschenderweise einen ganz eigenartigen Charme. Abgesehen von Vogelgezwitscher und Grillengezirpe herrscht absolute Stille, und da kommt man auch unversehens ins Grübeln, z.B. über die Frage, wie lange die Natur wohl brauchen wird, um den Asphalt zu knacken. (Bis jetzt hat er leider ganz gut gehalten.) Was mich angeht, so traue ich in diesem Fall den offiziellen Verkündigungen aus gegebenem Anlass nicht mehr und schaue lieber in regelmäßigen Abständen selber nach. Eine Tageswanderung bringt man hier aber kaum zustande, das Gebiet ist dafür sowieso nicht groß genug, und die Absperrungen sowie der Umstand, dass man überwiegend auf Asphalt läuft, tun ein übriges. Aber was soll der Geiz, ist man einmal hier, kann man ja noch kurz in Roermond oder Venlo die holländischen Nachbarn besuchen und z.B. ein paar leckere Fritjes genießen. |  |