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Tipps und Ratschläge

 
Hier geht es um Erfahrungswerte und kleine Kniffe, die einem das Wanderleben angenehm erleichtern können. Es muss nicht immer das Ei des Kolumbus sein, aber manchmal fragt man sich ja, warum man auf etwas ganz einfaches nicht selber gekommen ist ... Wie immer gehe ich von Tageswanderungen aus, bei denen man keine Berührung mit Zivilisation hat, insbesondere nicht mit gastronomischen Einrichtungen oder Telefonzellen.
  


 

 

Wanderkarten

Man kriegt Wanderkarten z.B. im Buchhandel, hier jedoch meist nur die Karten der unmittelbaren Umgebung. Bei weit entfernten Wandergebieten also im Prinzip keine Option, denn man braucht die Karte ja vorher zur Planung (von unliebsamen Überraschungen der Kategorie "Ham wa nich" mal ganz abgesehen). In welchem Bundesland das Wandergebiet liegt, weiß man aber vorher, deshalb kann vielleicht eine Anfrage beim zuständigen Landesvermessungsamt weiterhelfen. Auch die zuständige Kreisverwaltung kann oft in irgendeiner Form weiterhelfen, mitunter bekommt man die Karten sogar von der Touristen-Information gratis zugesandt. Ansonsten bekommt man ein über die nächste Nähe hinausgehendes Sortiment von Wanderkarten u.a. natürlich mal wieder bei www.globetrotter.de (Achtung, vor Ort haben die viel mehr Karten vorrätig als in ihrem Online-Shop!), und übers Internet kriegt man ja sowieso alles, was das Herz begehrt.

Es empfiehlt sich, eine Karte mit dem Maßstab 1:25000 zu wählen, sonst sind zu viele Nebenwege nicht darauf verzeichnet. Die Genauigkeit von Wanderkarten lässt sowieso oft zu wünschen übrig. Sich nicht verlaufen zu wollen, ist ein frommer Wunsch, der sich nicht unbedingt verwirklichen lässt; die Kunst besteht eher darin, wieder auf den rechten Weg zurückzufinden. Dabei sind aber Wanderkarten im Maßstab 1:50000 wenig hilfreich.

Was einem auch noch das Leben erleichtern kann, ist, vermittels eines kleinen Post-Its die letzte erreichte Position auf der Wanderkarte zu markieren, so dass man nicht bei jedem Blick auf die Karte aufs neue suchen muss. Die Methode bietet sich bei sehr engmaschigen Wegenetzen an, wo alle paar Minuten eine Kreuzung oder Abzweigung kommt; da verliert man leicht den Überblick.
 

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Proviant

Da Kaffee in der Thermoskanne relativ schnell einen schlechten Geschmack bekommt, kann man als Alternative die Thermoskanne einfach nur mit heißem Wasser füllen, und dieses erst bei Bedarf mit einem Instant-Kaffeepulver anrühren.

Auch einen Sportler-Drink kann man übrigens in Pulverform mitnehmen. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit will ich jetzt doch mal Reklame für ein bestimmtes Produkt machen: der einzige mir bekannte Sportler-Drink in Pulverform ist "Strive" von Amway, und das ist gleichzeitig auch der einzige, der meiner bescheidenen Meinung nach etwas taugt. Das Zeug schmeckt angenehm erfrischend, ist in verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich und man kann es sich in der gewünschten Konzentration anrühren. Es ist insbesondere dann sinnvoll, wenn man keinen Hunger (oder schon alles aufgegessen) hat, aber ein bisschen zusätzliche Energie brauchen kann. Das ist z. B. auf den letzten Kilometern vorm Ziel der Fall, da mag man ja auch nicht mehr unbedingt Pause machen, freut sich aber über fast jede Form von Energie. Bei "Strive" erschreckt einen im ersten Moment ein vermeintlich hoher Preis, aber das Pulver ist sehr ergiebig, denn man kommt auch mit einer wesentlich geringeren als der vom Hersteller empfohlenen Konzentration ausgezeichnet zurecht. Ich weise aber vorsorglich darauf hin, dass es nur im Direkt-Vertrieb erhältlich ist. Ich weise außerdem ausdrücklich darauf hin, dass ich NICHT, in keiner wie auch immer gearteten Form, für Amway arbeite oder verkaufe, auch an dieser Empfehlung nichts verdiene, sondern wirklich nur Kundin bin, die hier ihre persönliche Erfahrung wiedergibt. Wer nachvollziehbarerweise nicht gleich selbst Amway-Berater werden möchte, bloß um an Strive zu kommen, muss halt irgendwie einen Amway-Berater in seiner Umgebung auftun.
Aber zurück zum Thema: Das Mitführen von kaltem oder heißem Wasser zum Anrühren mit Instant-Produkten hat auch den Vorteil, im Bedarfsfall auf eine Reserve an klarem Wasser zurückgreifen zu können, sei es, weil man sich beim Trinkwasservorrat verschätzt hat, oder wofür auch immer.

Wer des Backens mächtig ist, kann sich für die Wanderung ein schönes kleines Brot als Wegzehrung backen. Wenn man dem Teig Öl hinzufügt und auch noch gewürfelten Schinken, Käse o.ä. mit hineinbackt, braucht man keine Stullen zu schmieren, da ja alles schon im Brot enthalten ist, wo es nicht verrutschen, nicht schmelzen und nicht rumsauen kann. Einfach genial.
  

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Insekten

Zum Schutz vor Insektenstichen gibt es natürlich eine Reihe zuverlässiger Mittel aus der Apotheke. Eine bedenkenswerte Alternative zu den Beglückungsversuchen der pharmazeutischen Industrie sind jedoch Hautöle mit Zitrusduft. Sie halten in der Tat Insekten ganz gut fern, nur muss man darauf achten, dass man aber auch wirklich jeden Quadratzentimeter der gefährdeten Hautpartien eingeölt hat, wozu durchaus auch die mit Stoff bedeckten zählen, Bremsen stechen da z.B. problemlos durch. Also am besten von Kopf bis Fuß lückenlos einölen, die dünnen Hautpartien mit besonderer Sorgfalt. Wenn man es nicht ordentlich macht, stechen die Insekten gnadenlos in das winzige Fleckchen, das man vergessen hat. Oft ist das z.B. der Ellenbogen oder das Ohrläppchen. Autsch.

Nicht ganz abwegig ist es auch, ein Tuch griffbereit zu haben, mit dem man ggf. in der Luft herumfuchteln kann, um Insekten zu verscheuchen, und nicht verkehrt ist es auch, wenn dieses Tuch einen möglichst starken Zitrusduft verströmt. (Tipp: Nach dem Einölen mit o.g. Hautöl immer die Hände an dem Tuch abwischen. Dann riecht es mit der Zeit danach, und zusätzlich kann man es noch mit Aroma- Öl beduften, "Citronella" ist z.B. sehr gut.) Natürlich sieht das bescheuert aus, aber von Bremsen attackiert zu werden ist so schlimm, dass von anderen Leuten für verrückt gehalten zu werden das geringere Übel ist. Stiche von Bremsen sind sehr schmerzhaft bzw. jucken unerträglich und verursachen eine tagelange starke Schwellung, und vom Kratzen wird es immer noch schlimmer. Wer gut eingeölt ist, darf auch hoffen, dass Zecken auf der Suche nach einer guten Stelle länger herumkrabbeln, und man sie entweder bemerken und absammeln, oder nach der Heimkehr abduschen kann. Duschen oder Baden nach einer Wanderung ist im übrigen aber nicht das Mittel der Wahl, um Zecken rigoros loszuwerden. Wenn sie sich schon in die Haut gebohrt haben, gehen sie vom Duschen überhaupt nicht ab, und vom Baden ersticken sie evtl., stecken dann aber trotzdem noch in der Haut ... Die, die noch auf der Suche sind, kann man mittels einer gründlichen Dusche aber loswerden, immerhin. Die Kleidung steckt man am besten sofort in die Waschmaschine, um noch darin befindliche Zecken wegzuwaschen.

Natürlich kriegt man trotz aller Vorsicht noch genug Insektenstiche ab. Um diese zu lindern, gibt es Cremes und Salben aus der Apotheke, aber auch ein Kristall-Deostein leistet gute Dienste! Wenn man ihn anfeuchtet und den Insektenstich damit bestreicht, gibt der Stein Mineralien an die Haut ab, die bei den allermeisten Insektenstichen eine überraschende Linderung des Juckreizes und der Schwellung bewirken. Gegen Bremsenstiche hilft aber selbst das herzlich wenig. Wenn man den Deostein einfach mal auf den Boden fallen lässt (am besten in eine Plastiktüte o.ä. gewickelt, damit Kleinstsplitter nicht durch die Wohnung fliegen), zerspringt er in Einzelteile, und wenn man sich davon ein ca. daumennagelgroßes Stück ins Wandergepäck tut, reicht das völlig; den ganzen Stein mitzuschleppen ist Quatsch. Zu entsprechenden Pharma-Produkten kann ich nichts sagen, ich habe eine Abneigung dagegen. Die Produkte, die ich hier beschrieben habe, kriegt man im Bioladen, Reformhaus oder in jeder gut sortierten Drogerie.

Auf Zecken muss man noch mal gesondert eingehen, die sind ein Kapitel für sich. Neben dem vorsorglichen Einreiben mit Hautöl o.ä. sollte man auch ruhig eine gute Zeckenzange mit sich führen, wobei die Betonung auf "gut" liegt. Billige Plastikprodukte sind meist viel zu grob, so dass man die Zecke nicht korrekt möglichst weit unten packen kann. Vielmehr übt das Werkzeug Druck auf den ganzen Körper der Zecke aus, was dazu führen kann, dass diese förmlich aus- und ihr Inhalt in die Haut hineingepresst wird. Iiiiiiiiiiiiih! Also besser in der Apotheke eine ordentliche Zeckenzange kaufen. Die Zeckenzangen aus der Haustierabteilung mit dem "Anhebe-Mechanismus" taugen meiner Meinung nach nichts, weder für Tiere noch für Menschen.

Das Herausziehen erfolgt so, dass man mit der Zange die Zecke möglichst nah an der Haut, d.h. unterhalb des Kopfes der Zecke packt, was jedoch meist nicht optimal gelingt, sag ich nur mal so. Hat man sie leidlich gut im Griff, zieht man sie vorsichtig senkrecht nach oben heraus. Idealerweise soll das ganze Beißwerkzeug mit hinausgezogen werden. Ist ein Stück der Zecke in der Haut verblieben, ist guter Rat teuer, und evtl. der Gang zum Arzt angezeigt.

Eine weitere sinnvolle Maßnahme ist helle, unifarbene Kleidung, auf der man die Zecken leicht finden und absammeln kann. Und immer unterwegs mal gucken, ob da was krabbelt, insbesondere dann, wenn man gerade an Pflanzen vorbeigestreift ist, oder eine Weile irgendwo gesessen hat. Grundsätzlich können die Zecken überall lauern, mit besonderer Vorliebe sitzen sie aber auf Ginster, den man weiträumig meiden sollte, und auf Grashalmen.

Im Schnitt trägt jede dritte Zecke Borreliose-Bakterien in sich. Es liegt also durchaus im Bereich des Möglichen, wenn nicht gar Wahrscheinlichen, dass man von solch einer gebissen wird. Um möglichst wenige Borreliose-Bakterien (Borrelien) abzukriegen, sollte man zusehen, dass man Zecken schnellstmöglich entdeckt und entfernt (deshalb die Zeckenzange im Marschgepäck), denn je länger sie in der Haut sitzen, desto mehr Borrelien finden ihren Weg in den menschlichen Körper. Es sei hier noch einmal vor groben Werkzeugen gewarnt, die die Zecke förmlich in den Menschen hinein entleeren, denn abgesehen von dem Ekel kriegt man so auch alle Borrelien ab, sollte die Zecke welche in sich tragen.

Ist die Zecke zu winzig, um sie mit der Zeckenzange vernünftig entfernen zu können, hat man leider ein Problem. Mein Rat: Arzt anrufen und fragen, was er vorschlägt. Und auch wer nach einem Zeckenbiss das ungute Gefühl hat, evtl. mit Borreliose infiziert zu sein, sollte den Arzt aufsuchen. Dieser kann mit einer Blutuntersuchung leicht klären, ob eine Infektion vorliegt. Er weiß übrigens auch, wo die besonderen Gefahrengebiete liegen, in denen die Zecken nicht nur Borreliose, sondern auch Hirnhautentzündung verursachen können. Gegen letztere ist eine Impfung möglich, also am besten vorher erkundigen.
  

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Leistungsgrenze beachten: Stoppuhr, Entfernungsmesser, gesunder Menschenverstand

Wenn man eine Route im voraus exakt plant und auch kein Stück davon abweicht, wird man sie natürlich so wählen, dass man die Strecke gut schafft. Dann erübrigt es sich eigentlich, unterwegs noch die zurückgelegte Entfernung nachzuhalten. Wenn man sich aber unterwegs ernstlich verläuft, weiß man anschließend nicht nur nicht, wo man war, sondern hat sich nicht selten auch noch unwissentlich im Kreis bewegt, so dass es wenig Sinn hat, die Strecke im nachhinein auch nur näherungsweise mit dem Entfernungsmesser auf der Karte nachvollziehen zu wollen.

Wesentlich einfacher ist es deshalb, die eigene Durchschnittsgeschwindigkeit herauszufinden. Sie liegt bei langen Wanderungen in halbwegs ebenem Gelände meist bei ca. 4,5 km/h, wenn man eher meditativ veranlagt ist, bei ca. 4 km/h. Wandergruppen, insbesondere Senioren, kriegen wiederum lieber einen Herzinfarkt, als unter 5 - 6 km/h zu gehen.

Wenn man seine individuelle Geschwindigkeit kennt, sollte man während der Wanderung mittels einer Stoppuhr die reine Wanderzeit, d.h. ohne Pausen, festhalten. So kann man – unter Berücksichtigung der Geländebeschaffenheit - mit hinreichender Genauigkeit berechnen, wie viele Kilometer man zurückgelegt hat und wie viele man noch schaffen wird, ohne nachher tagelang bewegungsunfähig zu sein oder die Nacht im Wald verbringen zu müssen. Wenn ich also im Schnitt 4 km/h gehe und erfahrungsgemäß höchstens 20 km schmerzfrei schaffe, muss ich innerhalb von fünf Stunden reiner Wanderzeit zzgl. Pausen am Ziel sein. Den Entfernungsmesser braucht man aber auf jeden Fall, wenn man von der geplanten Route abweicht und messen muss, wie lang der andere Weg ist. Nähert man sich deutlich dem Leistungslimit bzw. ist schon leicht darüber hinaus, überkommt einen übrigens auch nicht selten das Gefühl, noch stundenlang weiterwandern zu können, und selbst vorhin noch schmerzende Gelenke scheinen sich wundersam erholt zu haben. Jetzt bitte keine Freudensprünge machen und gleich noch ein paar Kilometer dranhängen! Es handelt sich lediglich um eine Täuschung, die durch körpereigene Glückshormone verursacht wird. Da sie aus der Aktivierung körperlicher Notreserven resultiert, sollte sie einem nicht Ansporn, sondern Warnung sein: Das Hochgefühl wird nach unvermutet kurzer Zeit abrupt von totaler Zerschlagenheit abgelöst.

 

 

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Stichworte zum Inhalt: Borreliose-Bakterien, Borrelien, Deo-Stein, Entfernungsmesser, Hautöl, Hirnhautentzündung, Insekten, Leistungsgrenze, Proviant, Zecken, Zeckenzange, Wanderkarte.