BeschreibungÜber den Wald bei Merzig (Merziger Kammerforst, als Teilgebiet des Naturparks Saar-Hunsrück) lässt sich sehr viel Gutes sagen. Leider gibt es aber auch ein ganz beachtliches Haar in der Suppe, und das sind natürlich mal wieder Zecken. Der gesamte Naturpark Saar-Hunsrück ist FSME-Risikogebiet, d. h. ohne Impfung sollte man dort sowieso nicht hingehen. FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis, der Laie spricht von Hirnhautentzündung. Und dass Zecken außerdem Borreliose übertragen können, ist ja überall so. Zecken zu vermeiden, indem man sich auf breiten, freien Wegen hält, funktioniert hier leider nicht, denn es gibt bezüglich der Wanderwege eine kleine Besonderheit: Viele sind in regelmäßigen Abständen komplett mit mindestens kniehohem Gras zugewachsen, alle paar hundert Meter kommt dann solch eine "Grasinsel". Auch ein ganz normaler, nutzfahrzeugbreiter geschotterter Wanderweg kann in seinem Verlauf immer schmaler werden, bis er nur noch als Trampelpfad durch hüfthohes (!) Gras geht, oder besagte Grasinseln aufweisen, denen man praktisch nicht ausweichen kann. Und nach einer solchen Grasinsel kann man sich darauf verlassen, im Schnitt 5 – 10 Zecken an den Beinen zu haben. Es hilft nichts anderes, als sofort mit dem Absuchen zu beginnen, denn da die Tierchen erstaunlich schnell krabbeln, hat das nicht Zeit bis zur nächsten Rast. (Auch wenn sie sich bis dahin noch nicht festgebissen haben sollten, sind sie aber schon über den Körper verstreut, und womöglich in Regionen vorgedrungen, die man in der Öffentlichkeit nicht unter Wahrung von Sitte und Anstand absuchen kann.) Dann kann man wieder einige hundert Meter laufen, bis sich das Spiel an der nächsten Grasinsel wiederholt. Es gibt natürlich auch breite Wege, die frei sind, jedoch weiß man im vorhinein nicht, ob das auch so bleibt, und an der nächsten Gabelung kann es einem durchaus passieren, dass beide Abzweigungen ungeeignet sind. Das gilt übrigens auch für die offiziell empfohlenen Wanderwege. Unter diesen Umständen lautet mein Urteil: In der Zeckensaison besser nicht da hin gehen. Das ist ausgesprochen schade, denn es ist wirklich ein sehr schöner Wald. Was ein richtiger Waldschrat ist, der findet unregelmäßig breite und gelegentlich mit Gras überwucherte Wege ja eigentlich besonders toll, wäre da nur nicht das Zeckenproblem. Es gibt sehenswerte Naturdenkmäler, und auch mitten im Wald viele schöne alte Bäume, die zwar noch nicht staatlich geprüfte Naturdenkmäler sind, aber das angenehme Gefühl vermitteln, in einem richtigen Wald zu sein, und nicht in der vorgelagerten Produktionsstufe einer Holzfabrik. In Reih' und Glied gesetzte Monokulturen habe zumindest ich nicht entdeckt, stattdessen wächst alles schön durcheinander, und das Grün am Wegesrand scheint mir hier ganz besonders wuschelig zu wuchern. Das Abwägen zwischen den Interessen der Holzwirtschaft und dem Erholungswert für die Bürger ist meiner Meinung nach vorbildlich gelungen, und eindeutig zu Gunsten des letzteren ausgefallen. Am Ausgangspunkt Merzig findet man direkt am Parkplatz auch den Weg zum Wolfsgehege. Es kostet keinen Eintritt, in eine umfunktionierte Parkuhr darf man aber (Klein-) Geld für Futter reintun, wenn man möchte. Die Wölfe werden erst in der Dämmerung richtig aktiv, wer also mittags kommt, und womöglich noch an einem sehr heißen Tag, sieht sie entweder gar nicht, oder schlapp vor sich hin dösend. Ich hatte sogar ein rotes Käppchen auf, und wurde trotzdem nicht beachtet!! Geradezu richtungsweisend fand ich übrigens das Hinweisschild an einem der Gehege, dass hier absolute Ruhe zu herrschen habe, weil Lärm, insbesondere Kindergeheul, die dortige Alphawölfin nervös macht ... Vom Wolfsgehege aus sollte man aber nicht zu einer Wanderung durchstarten, sondern besser zum Parkplatz zurückgehen und von dort z. B. den nach Norden abgehenden Wanderweg "Rotes Dreieck" nehmen, es sei denn, man möchte möglichst viele Zecken haben. Auch dieser Weg ergibt aber nicht mehr als einen Spaziergang, weil man schnell an die von Osten nach Westen verlaufende L 158 kommt. Die kann man zwar überqueren, und nördlich davon geht das Wandergebiet eigentlich auch erst richtig los, aber eben auch mit grasüberwucherten Wegen. Besagter Wanderweg ist jedoch bis zur L 158 garantiert frei. Diese zu überqueren, ist im übrigen keine sehr erquickliche Sache, sie weist nämlich keinen Seitenstreifen auf. Die Mündungen der Wanderwege dies- und jenseits der Straße liegen aber oft nicht auf gleicher Höhe, und dann muss man ein kleines oder größeres Stück an der Straße entlang gehen. Sollte es irgendwo Hinweisschilder für die Autofahrer geben, dass hier mit Wanderern zu rechnen ist, werden sie jedenfalls nicht beachtet, sondern mit eiserner Konsequenz der auf Landstraßen übliche Fahrstil gepflegt. Von Süden kommend, findet man knapp vor der L 158 auch ein Naturdenkmal (Biereiche) und zwei Bänke. Die Biereiche ist durchaus sehenswert, wenn auch so tot, wie ein Baum nur tot sein kann. Neben den Bänken stehen mehrere Ginsterbüsche, deshalb würde ich mich da nicht hinsetzen. Wer sich, Zecken hin oder her, seinen Weg selbst suchen will, der sei an den Tipp mit dem kleinen Post-It auf der Karte erinnert, das Wegenetz ist nämlich teilweise recht engmaschig.
Wenn aufgrund des Zeckenproblems die Wanderung etwas kürzer ausgefallen ist, braucht man aber noch nicht gleich nach Hause zu fahren. Unweit des Wolfsgeheges gibt es ein kleines, aber feines Tiergehege (gut ausgeschildert, am besten man fährt mit dem Auto). Auch dort zahlt man keinen Eintritt. Noch einen Katzensprung mit dem Auto entfernt (ebenfalls gut ausgeschildert) findet man dann den sogenannten "Garten der Sinne". Dort zahlt man ein paar Euro Eintritt, die aber gut angelegt sind. Zumindest mäßiges Interesse an Blumen & Co. vorausgesetzt, ist der Garten ein echtes Erlebnis, und die offiziellen Werbebilder sind realistisch, wie ich aus eigener Anschauung bestätigen kann. Ein bisschen gewagt finde ich allerdings die Behauptung, der Garten sei so groß, dass man mehrere Stunden dort verbringen könne. Ich bin alle Wege gegangen, habe alle Pflanzen in Ruhe angeschaut, und war nach einer guten Stunde durch. Etwas anderes mag für Botanik-Freaks gelten, die jedes Blättchen examinieren. |  |
Fazit / ResümeeDas wäre ein ebenso interessantes wie schönes Wandergebiet, gäbe es da nicht das Zeckenproblem. Leider handelt es sich mitnichten um ein aufgebauschtes Modethema, sondern die Tiere haben sich wirklich in einem unfassbaren Ausmaß vermehrt. Wer heutzutage durch hohes Gras läuft und sich anschließend seine Beine anguckt, hat meist das Gefühl, im falschen Film zu sein. Mir ist nicht bekannt, dass es im Naturpark Saar-Hunsrück zahlenmäßig mehr Zecken gäbe als anderswo. Das Fatale ist eben nur, dass in der Gegend um Merzig so viele Wege unweigerlich in die Zecken hinein führen. Im Sinne des Erfinders dürfte das kaum sein, sofern das überhaupt jemand erfunden, und nicht die Natur sich einfach selbst ausgebreitet hat. Solange die Wege aber sind, wie sie sind, guckt man sich besser nach einem anderen Wandergebiet um - jedenfalls meiner Meinung nach, aber natürlich liegt die Entscheidung bei jedem selbst. Ich kann jedoch versichern, dass die o. g. Angabe von durchschnittlich 5 – 10 Zecken nach wenigen Metern durch hohes Gras realistisch ist, ich habe nämlich persönlich nachgezählt, an meinen eigenen Beinen. Wer sich nicht abschrecken lassen will, aber ohne FSME-Impfung dort hin geht, hat meines Erachtens schlicht einen Knall. Ich betone aber, dass sich das hier Gesagte nur auf den Ausgangspunkt Merzig bezieht, wo Besuchern, so sie denn nicht partout wandern und nichts als wandern wollen, ansonsten viel Interessantes geboten wird, außer dem Wolfsgehege die o. g. "naturnahen" Attraktionen. |  |